Wenn wir in Projekten über Automatisierung und InDesign reden, kommt oft die Frage auf, ob die Integration eines „InDesign-Servers“ eine gute Idee und hilfreich wäre.
Was ist überhaupt ein „InDesign-Server“? Für wen kommt der in Frage? Was kann er leisten und was nicht? Darüber soll es in diesem Beitrag gehen.
Die Erklärung von Adobe selbst halte ich für wenig hilfreich. Zu viel technisches Blabla und Business-Bullshit (sorry!)
Ich versuche es mal in eigenen Worten.
Was ist der InDesign-Server?
Das Programm „InDesign-Server“…
1. … ist von Adobe und zusammen mit „InCopy“ und „InDesign-Desktop“ in der Lage indd-Dateien zu öffnen. Das visuelle Ergebnis ist dabei das gleiche! Das ist natürlich ganz wichtig! InDesign-Server, InCopy und InDesign-Desktop „rendern“ die indd-Dateien identisch, sodass der Umbruch identisch ist! „InDesign-Server“ gibt auch die gleichen Dateien aus und in der gleichen Qualität; egal ob indd, PDF, ePUB oder was auch immer.
2. … hat keine Benutzeroberfläche. Wenn du es auf deinem Rechner installieren würdest, könntest du es nicht einfach starten oder nutzen! Du musst es zum Beispiel per „Kommandozeile“ ansprechen. Oder aus anderen Programmen und Lösungen wie „Contentmanagementsystemen“ oder „Workflowsystemen“. Ja, du braucht Entwicklerkapazitäten, um den InDesign-Server in deine Prozesse zu integrieren.
3. … ist sehr teuer! Die Kosten liegen bei 5000 Euro bzw. 13.500 Euro pro Jahr. Der unterschiedliche Preis liegt an folgender Überlegung: Wer benutzt den „InDesign-Server“? Ausschließlich Mitarbeiterinnen des eigenen Unternehmens oder auch andere Personen?
Schauen wir uns das in einem Beispiel an: Wenn wir in der Satzkiste einen „InDesign-Server“ etablieren würden, den nur Satzkisten-Mitarbeiter nutzen, z.B. um Druck-PDFs zu exportieren, dann wäre die 5000-Euro-Lizenz ausreichend.
Anderes Beispiel: Wenn Satzkiste unter visitenkarten.satzkiste.de einen Onlinedienst anbieten würden, bei dem man Visitenkarten gestalten und anfordern könnte (mit Hilfe vom „InDesign-Server“) dann bräuchten wir eine 13.500 Euro Lizenz.
Wann brauche ich einen „InDesign-Server“?
Wenn du eine große Anzahl von InDesign-Dateien automatisiert erstellen oder verändern möchtest.
Angenommen, du bist ein Verlag und deine Autorinnen schreiben in ein „Contenmanagementsystem“. Dann möchtest du daran einen „InDesign-Server“ anschließen, der, basierend auf Templates, Zeitungsseiten erzeugt.
Oder wir nehmen an, dass du online anbieten möchtest, dass sich Restaurants ihre Menükarten gestalten können. Dann baust du dir Eingabemasken über eine Webseite. Und für das Erstellen der Druckvorlagen benötigst du dann wieder den „InDesign-Server“.
Oder du arbeitest in einer großen Marketing-Abteilung oder Werbeagentur. Die InDesign-Dateien werden von Hand kreiert und optimiert. Irgendwann müssen diese aber in Druck-PDFs exportiert werden. Und vielleicht auch zusätzlich in Vorschau-PDFs. Und ggf. gleichzeitig in ePub. Wenn diese Exporte jede Mitarbeiterin manuell anstoßen würde gäbe es zwei Probleme. Zum einen blockiert das die Rechner und zum anderen ist nicht sichergestellt, dass die richtigen Exportvorgaben verwendet werden. Mit einem Workflow, der auf „InDesign-Server“ basiert, wäre sichergestellt, dass die Computer von rechenintensiven Arbeiten freigehalten werden. Und die Einhaltung von Exportvorgaben wäre ebenso gewährleistet.
Anders ausgedrückt hilft die der „InDesign-Server“ bei „Database publishing“, „Online editing“ und „Automatisierung“.
Die Lösung „InDesign-Server“ von Adobe ist eine fantastische Ergänzung für jede Art der Automatisierung. Nicht nur wegen des Preises ist das sicher nichts für Jeden. Aber, es ist gut zu wissen, für welche Fälle und Workflows er geeignet ist.
Christoph Steffens