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Künstliche Intelligenz, Satzkiste

Was vom axes4day 2026 hängen bleibt: Word, Formulare, KI…

…und die Erkenntnis, dass gute PDFs früher beginnen.

Wir waren beim axes4day 2026 dabei – teils im Livestream, teils vor Ort – und eines kann man direkt sagen: So viel thematische Bandbreite war spürbar selten. Nach Aussage von Markus Erle, Co-Founder und CEO der axes4 GmbH in Zürich, gab es beim axes4day noch nie so viele Speaker wie in diesem Jahr.

Und genau das hat man dem Tag auch angemerkt.

Da ging es nicht nur um PDF/UA im engeren Sinn, sondern um Politik, öffentliche Verwaltung, Prüfpraxis, Word-Workflows, Formulare, Massen-PDFs, KI und sogar die Frage, warum barrierefreie Dokumente künftig auch für RAG-Systeme und Wissensdatenbanken eine größere Rolle spielen werden.

Was sich dabei durch viele Vorträge gezogen hat: Wir sind bei digitaler Barrierefreiheit noch lange nicht da, wo wir eigentlich sein wollten.

Viele Perspektiven, ein gemeinsamer Befund

Thematisch lag der Schwerpunkt der Vorträge klar auf der barrierefreien Bearbeitung in Word – was angesichts des Veranstalters und seines Softwareumfelds auch naheliegend war. Aus unserer Sicht als Satz- und Mediendienstleister gehört zum Alltag barrierefreier PDF-Erstellung noch eine zweite Perspektive: die Aufbereitung aus Layout-Workflows, etwa mit InDesign und MadeToTag. Gerade deshalb war es spannend zu sehen, wie viele unterschiedliche Blickwinkel dennoch zusammenkamen.

Die Referenten beim axes4day in Berlin auf der Bühne

Die Referent:innen beim axes4day 2026 in Berlin.

Einige Vorträge kamen eher aus dem öffentlichen Dienst, aus der politischen oder aus der organisatorischen Richtung, andere aus der Prüfpraxis, wieder andere sehr konkret aus dem Dokumentenalltag.

Dabei wurde aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder dasselbe sichtbar: Barrierefreiheit ist kein Randthema mehr, das man irgendwo zwischen Compliance und Qualitätskontrolle parkt. Natürlich spielen Fristen, gesetzliche Anforderungen und mögliche Sanktionen eine Rolle. Aber mehrere Speaker haben sehr deutlich gemacht, dass das Thema größer ist. Es geht um Teilhabe. Um tatsächliche Nutzbarkeit. Um bessere Prozesse. Um strukturierte Inhalte. Und am Ende eben auch um Qualität.

Oder anders gesagt: Ein Dokument ist nicht schon deshalb gut, weil es irgendwie exportiert wurde und technisch halbwegs durchläuft.

Mehr als ein Fachthema

Ein Gedanke aus der Begrüßung ist ebenfalls hängen geblieben: Markus Erle hat dazu aufgerufen, zu a11y champions zu werden. Also nicht nur solidarisch zu sein, sondern echte Verbündete für Barrierefreiheit. Der Kühlschrankmagnet, den viele mitgenommen haben, soll genau daran erinnern – am besten jeden Morgen noch vor dem Frühstück. An die gemeinsame Vision, dass Barrierefreiheit irgendwann selbstverständlich wird. Oder, wie es dort sinngemäß mitschwang: Accessibility should become mainstream.

Merchandise Produkte von Axes4 - A11y champion Tasche und Grußkarte mit Text "Barrierefreie Grüße aus Berlin"

Auch vor Ort war genau diese Haltung spürbar. Ohne große Kennenlernformate, ohne künstliche Gruppeneinteilungen entstand sofort eine offene und angenehme Atmosphäre. Gespräche ergaben sich beinahe von selbst. Dabei wurde schnell deutlich, dass viele der Anwesenden mehr verbindet als nur ein berufliches Thema: der gemeinsame Wunsch nach einer Welt, in der Barrierefreiheit nicht nur wegen gesetzlicher Vorgaben mitgedacht wird, sondern aus Überzeugung.

Gute Barrierefreiheit beginnt nicht erst im PDF

Einer der stärksten roten Fäden des Tages war für uns die Erkenntnis, dass gute barrierefreie Dokumente viel früher anfangen.

Nicht erst in Acrobat. Nicht erst beim letzten Check. Und auch nicht erst dann, wenn jemand versucht, aus einem mäßig vorbereiteten Ausgangsdokument noch schnell ein PDF/UA-Dokument zu retten.

Greifbar wurde das im Vortrag von Birgit Peböck. Der war für uns eines der Highlights des Tages, weil er nicht nur theoretisch war, sondern voller konkreter, nützlicher Hinweise für die Praxis steckte.

Birgit Peböck zeigte anhand eines Word Dokuments eine Beispiel-Bearbeitung.

Birgit Peböck zeigte anhand eines Word Dokuments eine Beispiel-Bearbeitung.

Da ging es um den Nutzwert eines Dokumenttitels, von Makros, Listenfortsetzungen, Fußnoten, Tabellen und weitere Details, bei denen man schnell merkt: Das sind keine Nebensächlichkeiten. Genau dort entscheidet sich oft, ob ein Dokument später sauber weiterverarbeitet werden kann – oder ob man sich hinten raus unnötig Arbeit einkauft.

Für uns war das deshalb so anschlussfähig, weil es die eigene Alltagserfahrung bestätigt: Wer in Word oder im Layout schon sauber arbeitet, spart sich später viel Reparaturarbeit.

Ein Thema, bei dem man das Aufatmen im Raum fast hören konnte

Mindestens genauso spannend war ein anderes Thema: barrierefreie Formulare.

Und zwar nicht als abstraktes Zukunftsfeld, sondern ganz konkret mit Blick auf Word. Wer regelmäßig mit barrierefreien Dokumenten zu tun hat, weiß: Formulare waren bislang oft eher die Kategorie „bitte nicht jetzt auch noch“. Technisch heikel, prozessual schwierig, in der Praxis selten elegant.

Genau deshalb war die Aussicht, dass Formularbearbeitung künftig in Word mit axes deutlich besser und strukturierter lösbar sein könnte, für viele ein echter Aha-Moment.

Klaas Possel (Einmanncombo), zeigt, wie mit der neuen Version von Axes in Word Formular-Bearbeitung möglich wird.

Klaas Posselt, Beta-Tester der neuen Axes Version und Speaker zum Thema Formular-Bearbeitung in Word mit Axes

Wir denken, das ist nicht nur ein nettes neues Feature. Das könnte im Alltag wirklich etwas verändern.

Und genau deshalb dürfte dieses Thema auch über das eigentliche Event hinaus für viele interessant sein.

Spätestens bei KI wird das Thema auch für Skeptiker spannend

Ein weiterer Punkt, der hängen geblieben ist: Barrierefreie Dokumente helfen nicht nur Menschen - gut strukturierte Daten helfen auch Maschinen.

Der letzte Vortrag des Tages hat das sehr anschaulich gemacht. Dort ging es um KI-Modelle, RAG-Datenbanken und die Frage, wie gut PDFs maschinell verarbeitet werden können. Die Kernidee: Wenn Dokumente strukturell sauber aufgebaut und semantisch gut ausgezeichnet sind, kann auch ein KI-System wesentlich besser damit arbeiten.

Thomás Nemes und Thomas Schempp von Axes4 zeigen den Nutzen von strukturierten Dokumenten für KI-Anwendungen auf.

Thomas Schempp (links) und Tamás Nemes (rechts) berichten aus ihrem Labor.

Das ist ein ziemlich starkes Argument. Denn selbst Leute, die sich bisher vor allem wegen Aufwand, Gewohnheit oder fehlender Zuständigkeit vor barrierefreier Bearbeitung gedrückt haben, dürften spätestens hier aufhorchen.

Wenn ein sauber strukturiertes Dokument nicht nur zugänglicher für Menschen ist, sondern gleichzeitig die Qualität maschineller Auswertung verbessert, dann ist Barrierefreiheit plötzlich nicht mehr nur Pflicht. Dann ist sie auch ein echter Mehrwert für Inhalte, Daten und Wissen.

Der nächste axes4day findet statt am 8. April 2027.

Der axes4day 2026 hat vor allem eines gezeigt: Das Thema entwickelt sich weiter. Nicht nur technisch, sondern auch inhaltlich. 

Es geht längst nicht mehr bloß darum, PDFs normgerecht zu machen. Es geht um saubere Ausgangsdokumente, bessere Prozesse, praxistaugliche Werkzeuge, echte Nutzbarkeit – und zunehmend auch um die Frage, wie gut Inhalte für die Zukunft aufgestellt sind. 

Anne Fläschner und Simon Christe

Bilder © Manuel Gutjahr