Wer kennt das nicht? Eine InDe­sign-Datei zickt rum, und dann: Pro­gramm­ab­sturz. Zum Bei­spiel wäh­rend des Druck­vor­gangs. Oder das Blät­tern durch die Sei­ten lässt das Pro­gramm ein­frie­ren. Even­tu­ell funk­tio­niert der PDF-Export nicht oder InDe­sign bricht ein­fach mit­ten im Pro­zess ab. Ein Blick in die „Doku­ment­chro­nik“ gibt dir dar­über Auf­schluss, ob es sich beim betrof­fe­nen Doku­ment um eine älte­re Datei mit einer län­ge­ren Geschich­te han­delt. Dies kann dir bei der Ursa­chen­for­schung behilf­lich sein.

Die Doku­ment­chro­nik gibt es in InDe­sign schon ewig. Wahr­schein­lich seit der ers­ten Ver­si­on im Jahr 1999. Es gibt kei­nen Men­übefehl und kei­nen Hin­weis auf die Doku­ment­chro­nik in der Ober­flä­che des Pro­gramms. Man gelangt zu ihr nur über einen „gehei­men“ Maus­klick. War­um Ado­be den Zugriff nicht prä­sen­ter macht, weiß nie­mand. Es ist echt scha­de, dass Ado­be da ein Geheim­nis dar­aus macht. Lei­der ist die­se Infor­ma­ti­on auch nicht per Script aus­les­bar oder über die Bridge ein­seh­bar; sehr scha­de. Aber die­ses Geheim­wis­sen tei­le ich heu­te mit dir 😉
Um an die „Doku­ment­chro­nik“ zu gelan­gen klickt man unter macOS mit gedrück­ter Befehls­tas­te auf InDe­sign > Über InDe­sign. Am PC klickst du mit gedrück­ter Strg-Tas­te auf Hil­fe > Über InDe­sign. So öff­net sich das Fens­ter mit Infor­ma­tio­nen zum Pro­gramm und zum Dokument.

Im obe­ren Bereich des Fens­ters, dass sich nun geöff­net hat, fin­den sich zunächst Infor­ma­tio­nen zum ver­wen­de­ten InDe­sign. Im Screen­shot sieht man, dass ich aktu­ell InDe­sign in der Ver­si­on 16.1.0.20 ver­wen­de. Die rest­li­chen Infor­ma­tio­nen sind eher unin­ter­es­sant bzw. schwer oder nicht zu interpretieren.

Inter­es­sant sind jedoch die Infor­ma­tio­nen im Bereich „Doku­ment­chro­nik“. Die­se sind im Übri­gen über Klick auf den Knopf „Pro­to­koll­da­tei schrei­ben“ auch expor­tier­bar. So kannst du die­se Archi­vie­ren oder einem Kol­le­gen oder Kun­den oder Dienst­leis­ter zukom­men lassen.

Ach­tung bei Quar­kXress- oder Pagemaker-Quelldaten

Mein Blick geht bei Pro­blem-Datei­en zunächst immer zu den bei­den Punk­ten „Aus Quar­kX­Press umge­wan­delt“ und „Aus Page­ma­ker umge­wan­delt“. Wenn dort „ja“ steht, klin­geln die Alarm­glo­cken. OK, das ist zuneh­mend sel­te­ner der Fall. In den Anfangs­jah­ren, als die Druck­in­dus­trie sich von Quar­kX­Press ab- und InDe­sign zuwand, kam dies sehr oft vor. Aber der Blick lohnt den­noch, denn in dem Fall muss die Datei drin­gend über einen Export ins idml-For­mat berei­nigt werden.

Ich kann zwar nicht genau sagen, war­um es einen Zusam­men­hang gibt zwi­schen Pro­ble­men mit einer InDe­sign-Datei und der Tat­sa­che, dass die­se aus Page­ma­ker oder Quar­kX­press kon­ver­tiert ist. Fakt ist aber, dass die­ser Zusam­men­hang in der Ver­gan­gen­heit extrem oft bestand und die wei­ter unten beschrie­be­nen Maß­nah­men erfolg­reich das Pro­blem lösen konnten.

Wenn man in der Doku­ment­chro­nik nach unten scrollt, kann man die kom­plet­te His­to­rie des Doku­men­tes sehen. In dem Fall im Screen­shot wur­de die Datei auf einem Win­dows-Sys­tem in der InDe­sign Ver­si­on 8 (also CS6) im Jah­re 2010 erzeugt.

Du siehst rich­tig: Jedes „Spei­chern“ der Datei wird in dem Pro­to­koll vermerkt.

 

Wie­so hilft nun die Doku­ment­chro­nik bei der Fehlerbehebung?

Gar­nicht. Aber bei der Ermitt­lung des mög­li­chen Ver­ur­sa­chers. Hät­te ich nun mit die­sem InDe­sign-Doku­ment Pro­ble­me, dann könn­te das am „Alter“ der Datei lie­gen, respek­ti­ve dar­an, dass es seit CS6 in meh­re­ren InDe­sign-Ver­sio­nen gespei­chert wur­de. All das ist in der wei­te­ren His­to­rie sicht­bar. Eben­falls wür­de es mich miss­trau­isch machen, wenn die Datei mit einem ande­ren Betriebs­sys­tem erzeugt oder zwi­schen­zeit­lich gespei­chert wur­de als meinem.

Auf der rech­ten Sei­te des Screen­shots ist zu sehen, dass in mei­nem InDe­sign PlugIns feh­len, die aus Sicht des Doku­men­tes jedoch not­wen­dig sind. Auch hier schril­len die Alarm­glo­cken. Gege­be­nen­falls kannst du mit den Namen, die du in dei­nem Fall dort lesen kannst, nichts anfan­gen. Dann sind es PlugIns, die jemand in sei­nem InDe­sign instal­liert hat­te, als er die Datei bear­bei­tet und gespei­chert hat­te. Auch hier gilt: Kann man machen, aber wenn es Pro­ble­me gibt mit der Datei, könn­te es dar­an lie­gen. Bist du ein Dienst­leis­ter, dann soll­test du dar­über mit dem Kun­den reden. Gege­be­nen­falls musst du das PlugIn kau­fen. Bist du der Kun­de, und eine Datei kommt von einem Dienst­leis­ter, z.B. einem Set­zer, zu dir zurück und es wer­den feh­len­de PlugIns ange­zeigt, dann ist ein Gespräch mit die­sem Dienst­leis­ter angesagt.

Nicht miss­ver­ste­hen: Es ist durch­aus „erlaubt“ mit Datei­en zu arbei­ten, die 10 Jah­re alt sind. Man darf auch mit Datei­en arbei­ten, die in der Ver­gan­gen­heit mit meh­re­ren unter­schied­li­chen InDe­sign-Ver­sio­nen oder unter­schied­li­chen Betriebs­sys­te­men gespei­chert wur­den. Das „Feh­len von Zusatz­mo­du­len“ ist eben­falls an sich kein Problem.

Aber, wenn eine Datei Pro­ble­me macht und die­se Infor­ma­tio­nen aus der Doku­ment­chro­nik her­aus­zu­le­sen sind, könn­te das dar­auf hin­wei­sen, dass hier die Ursa­che für dein Pro­blem liegt. Kei­ner die­ser Infor­ma­tio­nen (außer die „Umwand­lung“ aus Quar­kX­Press und Page­ma­ker) ist „schlecht“ oder „nicht erlaubt“.

Was kann ich mit mei­ner Pro­blem­da­tei also tun, wenn alle bis­he­ri­gen Maß­nah­men ohne Erfolg gekrönt waren und mir nun die Doku­ment­chro­nik einen ver­däch­ti­gen Hin­weis aufzeigt?

Dann wird es Zeit einen „Voll­wasch­gang“ in Erwä­gung zie­hen. Infor­ma­tio­nen zum „Voll­wasch­gang“, also dem Export ins idml-For­mat, gibts hier:

 

Und hier noch ein Video zur Dokumentchronik:

 

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