War es bei PDF bisher die Herausforderung, Druckdaten sicher zu transportieren, so ist sie es heute auch, Inhalte auf unterschiedlich große Endgeräte zu bringen. Die Nutzer wollen Daten auch auf dem Smartphone und Tablet konsumieren. Und da bringt ein PDF mehr Probleme als Lösungen. Um das gerade erworbene Flugticket oder die Eintrittskarte per PDF auf dem Smartphone zu begutachten, muss man zoomen und pinchen, bis das Display qualmt.

Von diesem Problem wissen wir Publisher schon lange, weshalb wir zunehmend mit HTML5 publizieren. Mit dieser Technologie ist Responsivität kein Problem. 

Die „PDF Association“ liefert uns nun mit PDF 2.0 eine alternative Problemlösung. Wir haben in unserem Blog-Artikel PDF – ein Geschenk des Himmels ja beschrieben, dass das Dateiformat „PDF“ schon lange nicht mehr Adobe gehört. Bereits 2008 hat die ISO (Internationale Organisation für Normung) die Normenserie 32000 veröffentlicht. Die „PDF Association“ wiederum kümmert sich inhaltlich um das Datenformat „PDF“.

Zurück zu PDF 2.0: Hier steht ein erweitertes Tagging auf der Matte, womit im PDF-Datenformat eine responsive Darstellung ermöglicht werden soll. „PDF 2.0“ hat die Nummer 32000-2 und steht bereits seit 2017 zur Verfügung, ist also schon 5 Jahre alt. Leider findet man in keinem der gängigen Programme aktuell Unterstützung für dieses Format! (Ausnahmen bestätigen die Regel)

 

So wird die PDF responsiv

Tags und Strukturen in PDFs sind zwar per se nichts neues, und der eine oder andere hat auch schon ein PDF gesehen, das den Textumbruch verändert, wenn das Fenster von Acrobat verkleinert wird. Mit „PDF 2.0“ wird diese Funktionalität jedoch komplett überarbeitet und umgebaut. 13 Strukturelemente entfallen, dafür kommen acht neue Elemente hinzu!

Die Beschreibung, Attribute und Funktionalität der bestehenden Tags wurde überarbeitet und das aus HTML bekannte Modell von Namensräumen wird aufgegriffen. Ferner werden MathML und andere Strukturelemente (nicht ausschließlich Elemente aus dem PDF2.0 Bereich) in den Standard aufgenommen. Nutzen können dies dann Publikationen, die einerseits höhere Anforderungen an die Gestaltung haben und deswegen gerne PDF sein möchten, aber dennoch auch auf kleinen Geräten bequem konsumierbar sein wollen.

Vorteile ergeben sich auch für die Hersteller und die Nutzer von barrierefreien PDFs. Die Erschließbarkeit von PDFs für Internet-Suchmaschinen verbessert sich durch ein konsequentes und konsistentes Taggen von PDF-Inhalten und deren Metadaten natürlich ebenfalls enorm.

 

Das „New Generation PDF“ – nur ein Teil des großen Ganzen

Um die Taggingtechnologie vollumfänglich nutzen zu können, muss der Anwender nicht nur auf Software warten, die das unterstützt. Es wird nicht ausreichen, nur ein „PDF 2.0“ zu exportieren, auch wenn dies bereits möglich ist. Es müssen Standards angepasst werden, unter anderem das barrierefreie PDF/UA, um die Regeln diesbezüglich festzulegen. Auch daran werkeln die Arbeitsgruppen schon seit Jahren, aber ein Veröffentlichungstermin wurde bis dato noch nicht genannt.

Die „PDF Association“ hat schon 2017 angekündigt, dass ein Angriff auf das bekannte ePUB-Format erfolgen wird. Einige Probleme rund um dieses Format und dessen Weiterentwicklung könnten mit „PDF 2.0“ gelöst werden.

Diese Features sind außerdem neu 

Die Liste der neuen Features ist nicht lang, die Details haben es aber in sich.

  • Verbessert wurden beispielsweise die Verschlüsselungsmöglichkeiten. Das war zu erwarten, da sich diese Technologie stetig weiterentwickelt.
  • An der Kommentarfunktion wurde gewerkelt, so stehen weitere Audio und Videokommentare zur Verfügung.
  • Die Sicherheit der PDFs wird durch aktuelle Signaturtechnologie erhöht.
  • Die Unterstützung von angehängten Dateien wird verbessert, beispielsweise durch die Möglichkeit, Vorschauen anzuzeigen.
  • 3D-Daten (PRC-Format) werden besser unterstützt
  • Es werden einige proprietäre Technologien aus dem Standard entfernt und durch offenen (Web-)Technologien ersetzt.

Und die Drucktechnik?

PDF 2.0 unterstützt Black Point Compensation, eine weitere ISO-Norm (18619:2015). Dies verspricht eine verbesserte Darstellung von Details in Schattenbereichen von Abbildungen.

Aktuelle PDF-Formate und damit auch Standards wie PDF/X erlauben lediglich einen Output-Intent pro Datei. Der Ersteller muss der Druckerei also eine PDF-Datei für den auf der Bogendruckmaschine zu druckenden Umschlag geben und eine weitere für den Inhalt, der auf Rolle gedruckt werden soll. „PDF 2.0“ erlaubt nun einen Output-Intent pro Seite. So kann das komplette Werk in einem PDF weitergegeben werden. Jede Seite ließe sich theoretisch auf einem anderen Gerät ausgegeben. Leider hat man die Chance nicht genutzt, gleich Output-Intents pro Objekt zu erlauben. Dann hätte man Anzeigen aus unterschiedlichen Quellen mit verschiedenen Ausgabeprofilen auf einer Seite in ein PDF packen können.

Fazit

Wir Publisher müssen nun abwarten, wann und wie die Hersteller unsere Werkzeuge anpassen. Insbesondere für InDesign wird es interessant, wie die Taggingtechnologie implementiert wird. Aktuell wird die Dokumentstruktur in einem InDesign-Dokument noch stiefmütterlich integriert. Seit InDesign CS4 (!) hat Adobe an der Stelle nichts mehr weiterentwickelt. Es wird also höchste Zeit für Adobe!

Christoph Steffens

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