Das Ende von Type-1

Das Ende von Type-1

Vor einigen Monaten kündigt Adobe die Unterstützung von alten Postscript-Level-1 Schriften in InDesign auf. Warum?

Kennst du dieses Banner? Erscheint es, wenn du deine InDesign-Dateien öffnest? Dann heißt es: „Aufpassen!“

„Type-1-Schriften (auch bekannt als PostScript, PS1, T1, Adobe Type 1, Multiple Master oder MM) sind ein veraltetes Format in der Schriftenindustrie, das durch das OpenType-Format, mit seinen größeren Glyphensätze und robusteren technischen Möglichkeiten, ersetzt wurde.“

Dieser Text stammt aus einer Website (Link), die Adobe im Januar 2021 veröffentlichte, mit dem Titel „PostScript Type 1 fonts end of support“ (Hier auf deutsch)

OK, „Postscript Type 1“ Schriften sind in die Jahre gekommen und Opentype ist seit langem Standard. Aber nichts ist besser, nur weil es neuer ist! Zugegeben, den Großteil der Anwender wird diese Ankündigung kaltlassen, denn das OpenType-Format ist längst zur Normalität geworden. Aber aufgrund einer Vielzahl von Anfragen unserer Kunden wissen wir, dass es eben doch ein Thema ist!

 

Ein Blick in das Schriftmenü von InDesign zeigt, mit welchen Schriften man arbeitet. Hast du noch Schriften installiert, die ein kleines „a“-Symbol zeigen, dann ist es ratsam genau zu prüfen, ob diese Schrift auch in 2 Jahren noch benötigt wird. Denn dann besteht Handlungsbedarf! Diese Zeichensätze müssen durch OpenType- oder Truetype-Schriften ersetzt werden.

 

Ein „TT“ steht für „TrueType“, das „O“ für Opentype. Beides wird auch im Januar 2023 noch funktionieren.

 

 

Interessanterweise zeigt der Dialog „Schriftart suchen/ersetzen“ seit InDesign 2021 keine Indikatoren für die verwendete Schrifttechnologie mehr. InDesign CS6 konnte das noch. Soviel zu „Neuer ist besser“!

 

Adobe schreibt weiter:

„Benutzer werden ab Januar 2023 nicht mehr die Möglichkeit haben, Inhalte mit Type1-Schriften zu erstellen. Bis zu diesem Zeitpunkt können die Benutzer mit ihren Type1-Schriften ohne Änderungen arbeiten.

Adobe-Anwendungen, die 2023 veröffentlicht werden, erkennen also das Vorhandensein von Type-1-Schriften nicht, auch wenn Sie Type-1-Schriften in Ihrem Desktop-Betriebssystem installiert haben:
1. Type1-Schriften werden nicht im Menü „Schriftarten“ angezeigt.
2. Es gibt keine Möglichkeit, zuvor installierte Type-1-Schriften zu verwenden.
3. Vorhandene Type-1-Schriftarten werden im Dokument als „Fehlende Schriftarten“ angezeigt.”

Wichtig ist noch dieser Hinweis von Adobe:

„Typ-1-Schriften, die in Dateitypen wie EPS und PDF eingebettet sind, sind von dieser Änderung nicht betroffen, solange sie zur Anzeige oder zum Druck als grafische Elemente platziert werden. Wenn diese Dateien zur Bearbeitung in Anwendungen wie Illustrator oder Photoshop geöffnet werden, lösen sie den Fehler „Fehlende Schriftarten“ aus.“

Auf Nachfrage hat Adobe bestätigt, dass Software, die bis Januar 2023 veröffentlicht wird, weiterhin Type-1-Schriften unterstützt! Das bedeutet folgendes: InDesign 2021, das ich heute benutze, wird auch nach dem Januar 2023 im Betriebssystem installierte Type-1-Schriften anzeigen und verfügbar machen wird. Adobe ist also weder Willens noch in der Lage Programmfunktionen aus bereits bestehenden Desktop-Programmen zu entfernen. Wie beruhigend! *Zwinkersmiley*

Natürlich ist es keine gute Idee sich darauf zu verlassen noch 2 Jahre und länger mit dieser Software zu arbeiten. Ggf. gibt es weitere Gründe für ein Update – ein neues Betriebssystem, Sicherheitslücken, usw. Kümmern Sie sich also bis dahin um geeigneten Ersatz ihrer Type-1-Schriften.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Adobe schreibt:

„Einige Produkte, einschließlich Document Cloud-Anwendungen, werden weiterhin Type1-Schriften anzeigen und mit ihnen arbeiten, wie sie es schon immer getan haben.“

Zudem gab Adobe bekannt, dass folgende Produkte weiterhin die Interpretation und Ausgabe von Text unterstützen, der mit Type-1-Schriften formatiert ist, die entweder eingebettet sind oder extern in PostScript und PDF referenziert werden: „Adobe PostScript“, „APPE“ (Adobe PDF Print Engine) und „AEPE“ (Adobe Embedded Print Engine)

In der aktuellen Version von InDesign, CC2022 und auch schon in CC2021, wird auf die Nutzung von Type-1-Schriften mehrfach hingewiesen, nämlich mit dem oben abgebildeten blauen Banner. Darauf wiederum gibt es keinen Hinweis in dem oben genannten Dokument von Adobe, ebenso wenig wie in dem Artikel, über die Neuerungen von InDesign 16.1. Zum einen erscheint eine solche Meldung beim Öffnen einer InDesign-Datei, die Type-1 Schriften enthält. Zusätzlich werden Type-1-Schriften im Schriftmenü und im „Schriftarten suchen/ersetzen”-Fenster mit einem gelben Ausrufezeichen markiert.

Wie also am besten vorgehen?

Tipp 1: Wer einen Schritt weitergehen will, kann in einem InDesign-Preflight-Profil prüfen lassen, ob solche Schriften verwendet werden. In den Profileinstellungen unter „Text“ findet man die Möglichkeit „Unzulässige Schrifttypen“ zu finden. Hier sollte man alle drei Type-1-Arten auswählen („Type 1 Multiple Master“, „Type 1“ und Type 1 CID)

Tipp 2: Wer es genauer und einfacher wissen will, der installiert das Script von Gregor FellenzwarnType1Fonts“, das als Startup-Script seine Dienste leistet.

PS: Für Photoshop hörte die Unterstützung übrigens bereits 2021 auf. Photoshop CC2021 zeigt schon keine Type-1-Schriften mehr an. (Link)

Wenn Sie Unterstützung brauchen beim Auffinden von problematischen Schriften und der Lösung des Problems, kommen Sie gerne auf uns zu hallo@satzkiste.de

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Keine Pantone-Bibliotheken mehr in Adobe Programmen

Keine Pantone-Bibliotheken mehr in Adobe Programmen

Am 26. November 2021 veröffentlichte Adobe eine Information in verschiedenen Artikeln. Zum Beispiel hier https://helpx.adobe.com/de/illustrator/kb/pantone-plus.html oder hier https://helpx.adobe.com/de/indesign/using/swatches.html. Dort wird eine „Bevorstehende Änderungen an den Pantone-Farbbibliotheken“ mit diesen Worten angekündigt:

„Ab März 2022 werden die in Adobe Photoshop, Illustrator, InDesign, Adobe Color und Adobe Capture vorinstallierten Pantone-Farbbibliotheken aus künftigen Software-Updates entfernt. Um die Auswirkungen dieser Änderung zu minimieren, arbeiten wir an einer alternativen Lösung für die betroffenen Produkte. Wir halten Sie auf dem Laufenden“

Wow. Das ist ein Wort! In meiner Wahrnehmung waren Pantone-Bibliotheken schon immer in allen DTP-Programmen, auch in Freehand und XPress, eingebaut und somit wäre eine „Entfernung“ eine einschneidende Änderung. Allerdings ist mit „entfernen“ wohl nicht zu verstehen, dass etwas von deinem Rechner entfernt wird. Es wohl eher so, dass zukünftige Installationen der oben genannten Programme keine Pantone-Bibliotheken mehr enthalten. (Hoffe ich zumindest!)

Zum Gesamtbild gehört bei der Beurteilung dieser Information, dass das, was heute in den Adobe-Programmen bezüglich Pantone-Farben implementiert ist, seit CS6 unverändert verteilt wird und ein „alter“ Pantone-Standard ist und nicht den aktuellen Stand repräsentiert. Die angekündigte Entwicklung zeichnete sich also offenbar schon länger ab.

 

Was steckt dahinter? 

In einem Artikel der Printweek wird gemunkelt, es gäbe „Spekulationen in der Branche, dass die Situation das Ergebnis eines „großen kommerziellen Streits“ über die Lizenzgebühren ist.“ Dass diese Entwicklung finanzielle Hintergründe hat, liegt auf der Hand. Mehr dazu ein paar Zeilen später.

 

Alternativen und Lösungen

Wenn du auf die Pantone-Bibliotheken in deiner Arbeit setzt, dann könnte eine Lösung das Plugin „Pantone Connect“ sein.

Viele Anwender kennen „Adobe Exchange“ nicht. Das ist eine Website, über die man (teilweise kostenlose) Erweiterungen, sogenannten Plug-Ins, findet. Und eine davon wird von Pantone unter dem Namen „Pantone Connect” zur Verfügung gestellt. 

https://exchange.adobe.com/creativecloud.details.103029.html

Die guten Nachrichten sind, das PlugIn ist kostenlos und ist verfügbar für Windows und Mac und für Photoshop,  InDesign und Illustrator von CC2019 bis CC2022.

Laut Produktinformation ist „Pantone Connect, die digitale Plattform, die Ihnen die Macht von Pantone direkt in die Hand gibt! … Über 5.600 Pantone-Farben fehlen in den Pantone-Farbfächer-Bibliotheken in Adobe Creative Cloud, darunter 826 Pantone Matching System (PMS)-Farben und alle Farben des Fashion, Home und Interior Systems.

Pantone Connect ist jetzt die einzige Möglichkeit, auf mehr als 15.000 wichtige Marken-, Druck-, Mode- und Verpackungsfarben zuzugreifen, die Sie in Ihren digitalen Design-Projekten verwenden können. Mit seinen benutzerfreundlichen Werkzeugen zur Inspiration, Farbextraktion, Anpassung, sicheren Speicherung und Freigabe von benutzerdefinierten Paletten ist es jetzt auch die einzige Möglichkeit, dynamische Pantone-Farben in Ihre Adobe®-Designprogramme zu bringen“.

Das PlugIn ist zwar kostenlos, aber nur für die ersten 30 Tage. Danach kostet der bunte Spaß 31 Euro im Jahr oder 7 Euro im Monat. Damit wären wir dann wohl beim eigentlichen Grund für diese Entwicklung! Adobe zahlt ganz offenbar nicht genug. Die Chefs von Pantone rechnen sich wohl mehr Geld aus bei direkten Kunden-Abos.

Ob es reicht, wenn nur ein paar Personen im Team oder im Prozess die kostenpflichtige Version von „Pantone Connect” haben oder ob alle Beteiligten diese benötigen, kann man aktuell nicht sagen! Die Bewertungen des PlugIns sprechen zudem auch eine ganz eigene Sprache! 

Ein weiterer Nachteil ist, dass man bei jedem Update einer Adobe-Software zunächst einmal prüfen muss, ob es bereits eine kompatible Version des PlugIns gibt. Man muss also vor jedem Update von InDesign oder Photoshop warten, bis Pantone “in die Puschen kommt“.

Kurz und gut: Es wäre tatsächlich ein riesiger Rückschritt, wenn es keine kostenlose und funktionierende Alternative gäbe zum angekündigten Wegfall!

 

Eine kostenlose alternative Lösung

Ich hatte weiter oben schon beschrieben, dass aktuell bereits nicht mehr die neuesten Pantone-Farben in Adobe-Programmen vorhanden sind. Wem dieser aktuelle Stand jedoch ausreicht, der kann sich diesen ja sichern.

Suche auf deiner Festplatte nach „acb”-Dateien mit „Pantone“ im Dateinamen und kopiere sie an einen sicheren Platz. In der Ankündigung ist ja die Rede davon, dass diese Bibliotheken „entfernt” werden. Es ist zwar nicht davon auszugehen, dass durch das Installieren von zum Beispiel InDesign CC2023 oder eines Updates von Illustrator CC2022 tatsächlich bereits installierte Dateien entfernt werden. Aber sicher ist sicher.

Ob man diese geretteten acb-Dateien dann in die neue Version des Programms laden kann, werden wir sehen.

 

Kommentar

Was soll man von dieser Entwicklung nun halten? Einige Kommentatoren beschimpfen die beteiligten Firmen Adobe und Pantone, weil diese nur Geld verdienen wollen und zudem die Entwicklung ein weiteres Zeichen dafür ist, wie sehr Adobe seine Kunden verachtet und der Druckindustrie den Rücken kehrt.

Ich persönlich sehe das ein wenig anders. Natürlich ist es die Aufgabe der Firmen Geld zu verdienen. Alle oben genannten Kritiker würden verstummen, hätten sie Aktienanteile an den Firmen, die sie jetzt beschimpfen.

Ich kritisiere, dass die Ankündigung still und heimlich und nur 4 Monate im Voraus stattfindet. Wer das nicht rechtzeitig mitbekommt, davon überrascht wird und seinen Workflow auf die existierende Lösung aufbaut, wird ein böses Erwachen erleben. Zudem kritisiere ich, dass der Ersatz (das PlugIn) als „kostenlos” angeboten wird und im Nachhinein kostenpflichtig wird. Ich kritisiere, dass man „an einer alternativen Lösung für die betroffenen Produkte arbeite und man uns auf dem Laufenden halte“. Ich hätte erwartet, dass man eine Lösung hat, wenn man eine solche Entscheidung trifft und diese publiziert. Dieser Aspekt ist für mich eine Verhöhnung der Kundschaft.

Nun bleibt uns nicht mehr, als uns vorzubereiten und die Entwicklung im Auge zu behalten.

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